Dauerausstellung zur Geschichte der Zeche Zollern

Vom Bergwerk zum Museum

 

Die Zeche Zollern in Dortmund gehört zu den eindrucksvollsten Zechenanlagen Europas und ist ein Tourismus-Highlight des Ruhrgebiets. Die Zeche gehört heute zum LWL-Industriemuseum und ist mit ihren wunderschöne historistischen Gebäuden, zwei Fördertürmen und der weltberühmten Jugendstil-Maschinenhalle selbst ein gigantisches Ausstellungsstück von höchstem Rang. Da verwundert es, dass das Museum bisher keine Ausstellung zur eigenen Geschichte hatte. Für uns war es eine große Freude – und Herausforderung – in enger Zusammenarbeit mit dem Team des Museums diese Lücke endlich zu schließen. Über eine Projektlaufzeit von drei Jahren entstanden 15 individuell konzipierte und gestaltete Ausstellungsräume, in denen die wechselvolle Geschichte der Zeche vom Ort der Arbeit, über die Zeit des Verfalls bis zum Museum der Gegenwart emotional erlebbar erzählt wird.

Die Ausstellungsgestaltung

 

Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Zeche. Ihre 710 qm verteilen sich auf 15 zum Teil sehr kleine Räume. Als Basisgestaltung entwickelten wir ein Wandelement, das sich deutlich vom historischen Bestand des Gebäudes absetzt und sowohl dreidimensionale Exponate aufnehmen, als auch zweidimensionale Abbildungen und Texte präsentieren kann. Mittels eines neuartigen Verfahrens, war es möglich, die Wandelemente in brillanter Qualität direkt zu bedrucken und so eine maximale Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung zu erreichen. Das komplette Layout der Wandelemente wurde digital erstellt. Vitrinenelemente, hinterleuchtete Bilder, aufgesetzte oder eingelassene Tafeln sowie Medienstationen wurden anschließend vom Ausstellungsbau an die dafür vorgesehenen Stellen präzise eingepasst.

Die Zeche Zollern von 1939 - 1945

 

Das vielleicht aufsehenerregendste Element der Ausstellungsgestaltung ist eine große Tischvitrine in Form eines schräg abfallenden Hakenkreuzes. Wir konzipierten sie als bedrohliches Symbol der Nazi-Herrschaft auf Zollern. Überspannt wird sie von vielen hundert, an dünnen Fäden herabhängenden Karteikarten mit den Namen der Zwangsarbeiter auf Zollen. In der Tischvitrine werden exemplarisch Biografien einzelner Zwangsarbeiter präsentiert.

Elemente der Gestaltung

 

Weitere markante Elemente der Ausstellungsgestaltung sind, neben den kubischen Wandelementen und Tischvitrinen, großformatige Wandbilder, zentral platzierte Raumstelen sowie die Konzentration auf die Farben Schwarz und Rot. Die Ausstellung präsentiert rund 1500 Exponate, Reproduktionen und erläuternde Texte. Eine so gewaltige Materialfülle konnte nur attraktiv und zugänglich inszeniert werden, indem die Wand-Layouts bis ins kleinste Detail komponiert und austariert wurden.

Eine inklusive Ausstellung

 

Menschen mit Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ist eines der zentralen Arbeitsfelder des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, der auch Träger des Industriemuseums ist. Eine konsequente Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion bedeutet auch, Menschen mit Behinderung das Erlebnis einer Museumsausstellung gleichberechtigt zu ermöglichen. Was hinsichtlich motorisch eingeschränkter Menschen durch den Bau von Rampen und Fahrstühlen verhältnismäßig einfach erreicht werden kann, stellt eine ungleich größere Herausforderung dar, wenn es gilt, eine Ausstellung auch für sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Hier Pionierarbeit zu leisten, war erklärtes Ziel des Landschaftsverbands – und Auftrag an uns, Ideen und Konzepte dafür zu entwerfen. Wir überarbeiteten die schon nahezu fertig geplante Ausstellung und schufen eine „Inklusionsebene“ mit einem Blindenleitsystem und taktilen sowie auditiven Angeboten für sehbehinderte Menschen. Ein wesentliches Ziel bestand darin, das Ausstellungserlebnis für Menschen ohne Behinderung durch die Inklusionsebene in keiner Weise zu beeinträchtigen. Das innovativste Ausstellungselement in dieser Hinsicht sind die zentralen Raumstelen. In ihnen verbergen sich Tastbilder, Texte in Braille- und Pyramidenschrift sowie Orientierungspläne, die sich durch einen seitlichen Auszug leicht erreichen lassen. Zudem sind die Stelen mit einer Automatik ausgerüstet, die den Einführungstext zum jeweiligen Raum laut vorliest, sobald der Auszug betätigt wird. Auch die Produktion der Tastbilder und -texte war eine Innovation. Durch eine intelligente Nutzung des auch in den anderen Ausstellungsbereichen eingesetzten Direktdruckverfahrens gelang es, haptisch wahrnehmbare Informationen zu drucken.

LWL-Film zur Inklusionsebene

„Ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Inklusion!Wir brauchen keine eigenen Ausstellungen für Menschen mit Behinderungen, sondern wir arbeiten in unseren 17 Museen daran, nach und nach Barrieren abzubauen, damit möglichst viele Menschen dieselben Angebote nutzen können. Gemeinsam mit den Experten in eigener Sache wollen wir Lösungen finden. Die neue Dauerausstellung ist dafür ein gelungenes Beispiel“
Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe

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